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Il nostro Giardino Collettivo a Berlino Friedrichshain

Statements

Warum ein Nachbarschaftsgarten in Berlin-Friedrichshain?

Nicht nur in Friedrichshain gibt es immer weniger nachbarschaftliche Netze, immer weniger Grüßkontakte auf der Straße.
Der Öffentliche Raum wird zunehmend kommerzialisiert oder kostet Eintritt. In der Folge werden Menschen, die dem Konsumdruck nicht gewachsen sind, isoliert. Besonders davon betroffen sind Menschen mit geringen Einkommen, Erwerbslose, ältere Menschen.
Immer weniger Flächen stehen zur Verfügung, auf denen Menschen sich wohnortnah begegnen und kennen lernen können ohne dafür Geld ausgeben zu müssen.
Der Nachbarschaftsgarten auf der Freifläche soll diesem Trend entgegenwirken. Den AnwohnerInnen soll er die Möglichkeit bieten, nahezu ohne finanzielle Aufwendungen an einem gemeinschaftlichen, intergenerativen Projekt aktiv teilzunehmen, andere Menschen kennen zu lernen, sich handwerklich, gärtnerisch oder künstlerisch auszuprobieren.
Unser Garten ist ein wichtiger Ort für die gesamte Nachbarschaft geworden! Viele Nachbarn nutzten diesen offenen Raum in der Kinzigstraße für ihre Hochzeiten, Geburtstagsfeste, Kinoabende, Lesungen und wir veranstalteten auch regelmäßig unsere Gartenfeste für die gesamte Nachbarschaft in unserem Garten!


Selbstorganisation

Wir treffen uns regelmäßig zum gemeinsamen Diskutieren, Arbeiten, Organisieren, Bauen, Pläne schmieden, Pflanzen, Gießen, Feiern und Kuchen essen. Um den Vertrag mit dem Bezirksamt zu schließen (Jessnerstraße), müssen wir uns als Verein gründen. Weiterhin treffen wir aber unsere Entscheidungen konsensbasiert und versuchen auch die Bedürfnisse von NutzerInnengruppen (HundebesitzerInnen, SprayerInnen, etc.) zu berücksichtigen, die meist nicht direkt an unseren Treffen teilnehmen.
Seit 2004 versuchen wir trotz schwieriger Bodenverhältnisse (v.a. in der Kinzigstraße) unser eigenes Gemüse zu pflanzen. Da niemand viel Geld investieren kann, wurden Materialspenden gesammelt. Erstaunlich war, wie sich unterschiedliche Kontakte der AnwohnerInnen in der Kinzigstraße ergänzten: Mutterboden für viele neue Beete, Samen, kleine Bäume, Sträucher und Stauden, Maisfelder, alte Steine für Beetumfassungen und Wegbegrenzungen.


Wissen im Garten

Wir gärtnern gemeinsam, teilen Werkzeug und Wissen. Dabei sind wir nicht alle gleich bewandert in gärtnerischen Dingen und das ist auch gut so. Im Garten lernen wir voneinander und werden oft auch so miteinander bekannt.
Im Gespräch über Pflanzen und Saatgut wird der Garten darüber hinaus auch oft zu einem fruchtbaren Ort, um über ein neues Gefühl von Stadt und Stadtnatur nachzudenken sowie über die Bedingungen der Essensproduktion weltweit.


Ernährungssouveränität

Statement von unserem Gärtner Hanns (2008)

Seit Jahren kennen wir das: Hilfslieferungen z.B. Getreide aus Europa an Hungernde irgendwo in Afrika, führt dazu, dass die lokalen Märkte dort zusammenbrechen, noch mehr Menschen verarmen, der betroffene Staat sich noch weiter verschuldet. Vertreter der Weltbank treten dann auf und empfehlen oder nicht selten befehlen eine verstärkte Exportorientierung, gerade mit Agrarprodukten des betroffenen Landes - eine Spirale weiterer Verarmung.

Als nun die UNO als eines der Millenniumsziele, die sie bis 2020 erfüllt sehen will, die Bekämpfung des Hungers in der Welt benannte, «Ernährungssicherheit» forderte, traten alsbald Organisationen aus den von Hunger betroffenen Ländern, allen voran «Via Campesina», auf den Plan und forderten stattdessen «Ernährungssouveränität». Nicht vermehrte Hilfslieferungen seien die Lösung, sondern die Ermöglichung, selber die nötigen Lebensmittel zu produzieren und auf lokalen Märkten zu verkaufen. Dies kann natürlich nur gelingen, wenn das Land weg von den für den Weltmarkt produzierenden, kleinen Eliten des Landes oder internationalen Konzernen mit Sitz in den USA oder Europa zurück an die Kleinbauern gelangt.

Was heißt das für uns in Europa, wenn wir eine solche Entwicklung hin zur Ernährungssouveränität begrüßen? Sollten wir nicht unsererseits versuchen, Ernährungssouveränität zu praktizieren? Ich verspreche mir da einen doppelten Effekt:
1. Je mehr bei uns für den eigenen Markt produziert werden kann, umso weniger steht dem Weltmarkt als unsere Überproduktion zu Verfügung, d.h. der Dumpingdruck auf andere Märkte verringert sich.
2. Je weniger wir konsumieren an exotischen Südfrüchten, umso mehr werden die dortigen Produzenten auf ihre eigenen lokalen Märkte angewiesen sein, vielleicht weniger mit Luxusfrüchten als mit Grundnahrungsmitteln.

Natürlich gibt es da keine Automatik. Immer neue, luxuriösere, nur mit dem Flugzeug transportable Früchte drängen auf unsere Märkte. Gleichzeitig wird großflächig Biodiesel produziert und verknappt zusätzlich das Land für subsistenten Anbau. Wenig hilfreich ist, wenn nun «Bio»-Produkte um den halben Globus geschippert werden.

Das bringt mich nun auf einen dritten Punkt: Es geht nicht ohne eine bewusste politische Willensbildung. Nur so lässt sich der gegenwärtige Wahnsinn stoppen. So ist für mich mein Gärtchen auch praktische Propaganda. Ich bin stolz, dass es mir gelingt, ein halbes Jahr fast nur vom eigenen Gemüse zu leben und ich lerne Jahr für Jahr dazu - übers Jahr verteilte Fruchtfolge, Schädlingsbekämpfung, Lagerung trotz kleiner Stadtwohnung, Aufzucht aus eigenem Samen etc..

Nicht verschweigen möchte ich zwei weitere Motive,die mich anleiten. Wenn ich das eigene Gemüse mit dem Fahrrad nachhause fahre, dann geht der Energieverbrauch - und damit co²-Ausstoß - bis zum Kochtopf gegen Null. Schon das ein Grund, zunehmend auch «Urbane Landwirtschaft» anzudenken und in die Stadtplanung mit einzubeziehen.

Das zweite Motiv hat eine längere Geschichte. Als ich vor Jahren arbeitslos war, haben wir uns als «Glückliche Arbeitslose» deklariert. Wir wollten einfach nicht in das allgemeine Gejammere um die knappen Arbeitsplätzchen mit einstimmen. War denn das wirklich so erstrebenswert, um fast jeden Preis irgendeinen Unsinn zu treiben und sich herumkommandieren zu lassen? Ein sinnvolles Leben statt Arbeit um jeden Preis! Das ist für mich zu einem guten Teil mein Gärtchen - wie ich oben darzulegen versuchte - Widerstand gegen eine unmenschliche Ideologie.

Meine «Vision»? Wenn Gedanken, wie ich sie darzulegen versuchte, um sich greifen, würde eine neue sehr viel umweltverträglichere und auch friedlichere Kultur entstehen. Wir bräuchten nicht mehr um die Welt zu jetten um uns vom «Alltagsstress» zu «erholen», selbst die Wochenendflucht «Aus grauer Städte Mauern» käme zum Erliegen. Wir bräuchten auch nicht mehr ferne Märkte mit welchen Mitteln auch immer zu «erobern». Wir bräuchten auch Europa nicht mehr wie eine Festung zu verteidigen. Reisetätigkeit, Migration wie Warenfluss würden nicht einfach zum Erliegen kommen, aber auf ein vernünftiges Maß sich einpendeln. Es ginge geruhsamer und auch geselliger zu bei uns und anderswo. Vieles könnte uns noch einfallen Urbane Landwirtschaft betreffend und für Jede/N gäbe es was Sinnvolles zu tun.



Última modifica 16. Giugno 2010 - 20:48

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